Welt 04.09.2026
18:41 Uhr

„Klimaextremismus“ – Polizei stürmt Lkw von Sabotage-Verdächtigem


In NRW haben Beamte das Fluchtauto des mutmaßlichen Saboteurs Daniel V. gestürmt. Der Mann ist nun zu Fuß flüchtig. Innenminister Alexander Dobrindt spricht von „Klimaextremismus“.

„Klimaextremismus“ – Polizei stürmt Lkw von Sabotage-Verdächtigem

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen fahndet weiter mit Hochdruck nach Daniel V., der für mehrere Sabotageakte an Umspannwerken verantwortlich sein soll. Nach Angaben von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) stürmten Beamte am Freitagabend das Fahrzeug des Verdächtigen in Niederzier (Kreis Düren). Jetzt sei der Mann vermutlich zu Fuß unterwegs und werde nicht weit kommen. Das Fahrzeug des Verdächtigen habe im Wald gestanden, sagte der Leiter der Staatsschutz-Abteilung im nordrhein-westfälischen Innenministerium, Markus Gemünd. Ein Spezialeinsatzkommando habe es gestürmt. Der Mann habe sich aber nicht in dem Wagen befunden. Jetzt werde das Fahrzeug auf Spuren durchsucht. Der 48-jährige Daniel V. aus der Stadt Gevelsberg (Ennepe-Ruhr-Kreis) hatte ein Bekennerschreiben zu den Anschlägen (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/plus6a9ab42608c763dcf81f41e5/anschlaege-auf-infrastruktur-greife-nicht-das-land-sondern-die-fossile-brennstoffindustrie-an.html) veröffentlicht. Es liegt auch WELT vor. Darin begründet er die Anschläge auf Umspannwerke mit Kritik an der Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen. Die Polizei hält das Bekennerschreiben – inklusive Name und Adresse – für authentisch. Reul warnte aber auch: „Wenn jemand seinen Namen druntersetzt, ist er nicht zwingend der Verantwortliche.“ Man prüfe, ob der Mann allein gehandelt habe. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen wurden Reul zufolge am Freitag unter anderem „sprengstoffverdächtige Gegenstände“ gefunden. Diese würden untersucht, sagte der Minister bei dem gemeinsamen Auftritt mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) vor Journalisten. Es gebe aber noch viele Fragen. Dobrindt sprach von einem Fall von „Klimaextremismus“ durch einen mutmaßlichen Einzeltäter. Er verwies zugleich auf die noch laufenden Ermittlungen und den bisher nicht abschließend geklärten Tathintergrund. Eine abschließende Beurteilung sei aktuell noch nicht möglich, betonte der Bundesinnenminister weiter. Offenbar Sprengvorrichtungen in Sachsen gefunden In dem Bekennerschreiben werden weitere Orte genannt, an denen Sabotageakte erfolgen könnten, unter anderem ein Kraftwerk in Weisweiler (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a99e0d97b16431569665471/sabotage-attacken-polizei-fahndet-nach-mann-aus-nrw-immer-mehr-einsatzkraefte-bei-kraftwerk-weisweiler.html) bei Aachen. Die Polizei ermittelt auch dort. Die Polizeidirektion im sächsischen Görlitz bestätigte am Abend zudem einen Einsatz nördlich von Bautzen. Die „Bild“-Zeitung berichtete, wurden zwei Sprengvorrichtungen nahe Umspannwerken gefunden. An der Landesgrenze zu Brandenburg gibt es Umspannwerke im Lausitzer Braunkohle-Tagebaugebiet. In Brandenburg hatten Unbekannte am ‌Dienstagmorgen versucht, mit einem Angriff auf ein Umspannwerk nahe ⁠dem Kraftwerk Jänschwalde einen ​großflächigen Stromausfall auszulösen. Nahe dem Umspannwerk in Dormagen in Nordrhein-Westfalen war es dann am Donnerstagabend ⁠zu einem weiteren Sabotageversuch gekommen. RWE zufolge fand die Polizei dort in der Nähe von Stromleitungen des Versorgers Abschusseinrichtungen.